Fachbegriffe – wissen, wovon man redet

Wo nichts anderes angegeben, wurden die Definitionen aus der Homepage des Verbandes deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten (VWW) übernommen. Siehe dazu www.natur-im-vww.de/fachbegriffe

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fold faq Autochthon

In vielen Veröffentlichungen und Ausschreibungen wird der Ausdruck „autochthone Art” verwendet, um eine regionale Herkunft auszudrücken. „Autochthon” wird in der Botanik im strengeren Sinn für Arten verwendet, die in der Region entstanden sind. Deshalb sollte der Begriff „gebietseigen” verwendet werden, da nur wenige Gattungen ihr Genzentrum in Mitteleuropa haben.

fold faq Biodiversität

Vielfalt der Lebensformen der Biosphäre in allen ihren Ausprägungen und Beziehungen untereinander. Die genetische Diversität, d.h. Vielfalt von Populatio-nen über Individuen bis hin zu den Genen, fördert die langfristige Stabilität von Ökosystemen.
(Quelle: EVERT, Klaus Jürgen; Enzyklopädisches Lexikon – Landschafts- und Stadtplanung)

fold faq BNatschG

Bundesnaturschutzgesetz.

fold faq ErMiV

Erhaltungsmischungsverordnung.
Erläuterungen zur Erhaltungsmischungsverordnung siehe unter Rubrik "Wissenswertes" / "Gesetzliche Rahmenbedingungen"

fold faq Freie Landschaft

Der Begriff der freien Natur i. S. v. § 40 Abs. 4 Satz 1 BNatschG umfasst sämtliche Flächen außerhalb besie-delter Bereiche. Hierunter fallen Flächen, die
nicht durch geschlossene menschliche Ansiedlungen beansprucht werden. Das beinhaltet auch Verkehrswege und deren Randflächen. Auf die Naturnähe oder -ferne der Flächen „in der freien Natur” kommt es nicht an.
Die Regelung würde ihren Sinn verfehlen, wenn vom Menschen gestaltete Flächen außer-halb besiedelter Bereiche aus dem Geltungsbereich herausfielen. Der Anwendungsbereich würde sich auf das Gebiet der freien Natur begrenzen, wo Begrünungsmaßnahmen selten bzw. überhaupt nicht durchgeführt werden. Beim Einsäen dieser Flächen sowie auch bei der Anlage straßenbegleitender Hecken, ist gebietsheimisches Saat- und Pflanzgut zu verwenden. Die Verwendung gebietsfremder Arten bei der Straßenbegleitbegrünung bedarf somit der Genehmigung der zuständigen Behörde.
(Quelle: BMU / Dokument N I 3 - 70301-1/3)

fold faq gebietseigen, gebietsheimisch

Nach KOWARIK und SEITZ (2003) werden Sippen als gebietseigen (synonym mit gebietsheimisch) bezeichnet, die aus Populationen einheimischer Arten stammen, welche sich in einem bestimmten Naturraum über einen langen Zeitraum in vielfachen Generationsfolgen vermehrt haben und bei denen eine genetische Differenzierung gegenüber Populationen der gleichen Art aus anderen Naturräumen anzunehmen ist. Allgemein gilt Vermehrungsgut dann als gebietseigen, wenn es aus der Region stammt, in der es auch verwendet werden soll. Diese Definition verlangt eine Abgrenzung der zugehörigen Regionen.

fold faq Herkunft

Lebensraum einer Population. Der Begriff wird auch auf die Population selbst angewendet, wenn ihre Eigenschaft, aus einem bestimmten Gebiet zu stammen, hervorgehoben werden soll. Individuen einer Herkunft können sich in ihren Eigenschaften von denen anderer Herkünfte signifikant unterscheiden.
[Herkunftsregion] Bezeichnung für einen geographischen Raum, aus dem Wildarten stammen, der zumeist nach naturräumlichen Kriterien gegenüber anderen abgegrenzt ist.

fold faq Invasive Arten

Neu eingebürgerte Arten (Neophyten), die durch ihre massenhafte Vermehrung unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben und oft auch ökonomische Probleme verursachen. Ursache: Weltweiter Samenhandel

fold faq Kulturform

Durch ständige Auslese nach gewünschten Eigenschaften aus Wildformen entstandene Form ohne Sortenzulassung.
(Definition: Rieger-Hofmann)

fold faq Population

Eine Gruppe von Individuen der gleichen Art, die aufgrund ihrer Entstehungsprozesse miteinander verbunden sind, eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden und zur gleichen Zeit in einem gemeinsamen
Areal zu finden sind.

fold faq Produktionsraum

Ein Produktionsraum besteht aus mehreren Herkunftsregionen. Ein Anbauer, der VWW-Regiosaaten vermehrt, darf nur Wildsaatgut, das aus einer seinem Produktionsraum angehörigen Herkunftsregionen stammt, auf seinem Betrieb vermehren. Dadurch sind ähnliche naturräumliche Gegebenheiten zur Vermehrung der Wildarten bei gleichzeitig ausreichend großem Absatzgegebiet für eine wirtschaftliche Produktion gewährleistet

fold faq Regiosaatgut

Ungeschützter Begriff, der Saatgut mit einem Herkunftsbezug zu einem Naturraum oder davon abgeleiteten Einheiten versieht. Die Verwendung des Begriffs "Regiosaatgut" wurde in den Anfängen der Diskussionen um gebietseigenes Saatgut verwendet (z.B. Hiller, A. et al., 2004).
Heute verwenden viele ausschreibende Stellen und auch einige Anbieter von Saatgut noch diesen Begriff. Der VWW verwendet dagegen den Begriff „Regiosaaten” zur Definition seiner einem festen Regelwerk unterliegenden Zertifizierungsprodukte.

fold faq RSM

Regel-Saatgut-Mischung. Mischungsvorgaben für Rasenneuanlagen, die vom Verein „Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.” herausgegeben werden. Diese Mischungen werden in vielen Ausschreibungen als Standard vorgegeben, obwohl die Aussaatstärken und die Artenzusammensetzung in der freien Landschaft oft nicht zweckmäßig sind und nicht dem Naturschutzgesetz entsprechen.

fold faq SaatVerkG

Saatgutverkehrsgesetz.

fold faq Sippe

Als Sippen werden genetisch eigenständige Verwandtschaftsgruppen beliebiger Rangstufe bezeichnet, z.B. Art, Unterart, Varietät, geografische Rasse, entspricht in vielen Fällen dem Taxon.

fold faq Sorte

Juristischer Begriff: Als Sorten werden züchterisch bearbeitete Linien einer Sippe bezeichnet, die vom Bundessortenamt als Sorten anerkannt sind und deren Vermarktung gesetzlich geschützt ist.
Laut §30 SaatG (2004) gilt als Voraussetzung für eine Sortenzulassung, „wenn sie …
1) unterscheidbar, 2) homogen, 3) beständig ist, 4) landeskulturellen Wert hat sowie durch eine eintragbare Sortenbezeichnung bezeichnet ist.“ Damit unterscheiden sich die für Sorten kennzeichnenden Eigenschaften wesentlich von der für Wildpflanzen angestrebten genetischen Bandbreite und regionalen Ausprägung.

Quelle: RUTZ, Walter; Sorten und Saatgutrecht, 10. Aufl. 2004