Zu selten, zu oft oder zu spät gemäht?

Am artenreichsten bleiben Wiesen durch eine 1-3-malige Mahd pro Jahr. Werden sie seltener gemäht, geht Vielfalt ebenso verloren wie durch Düngung und höhere Schnitthäufigkeit. Wiesen mit ursprünglich 40-50 Arten können dann innerhalb weniger Jahre auf nur noch 10-20 Arten reduziert werden.

Ein Bauer brauchte früher nach dem langen Winter ab Mitte Mai Futter für seine Tiere. So wurden starkwüchsige Wiesentäler in den Gemeinden oft schon früh zur Mahd freigegeben. Bei zweischürigen Wiesen lag der 1. Schnitt aber in der Regel nicht später als an Johanni (24. Juni). Dann gab es noch einen weiteren Schnitt im August oder Anfang September. Gedüngt wurde meist nichts. Häufig bestand eine dritte Nebennutzung durch ziehende Schafherden zwischen Oktober und Anfang Mai*. Möchten auch wir heute einen langen Blütensommer haben, müssen wir uns den alten Wirtschaftsweisen der Bauern annähern.

Auswirkungen des Mahdzeitpunkts auf die Entwicklung der Biomasse und den Lichtgenuss bodennaher Arten

Zweimalige Mahd ab 15. Juni:

Früh-Spätmahd (FSM):

Ein früher Schnitt ist umso wichtiger, je nährstoffreicher der Standort ist. Gräserbetonte Wiesen an nährstoffreichen Standorten (Fettwiesen) bilden - mit den Wasser- und Nährstoffvorräten des Winters - im Frühsommer einen enormen Massenwuchs. Dieser Effekt wird durch die zunehmende Erwärmung unseres Klimas noch verstärkt. Mit einem frühen Schnitt zwischen Ende Mai und Mitte Juni (inkl. Abfuhr des Mahdguts) nehmen wir den Gräsern viel von ihrem Wuchs und sorgen für ausreichend Licht auch für konkurrenzschwächere Blumen in der Wiese. Bei einer frühen Mahd haben einige Arten aber ihre Samenbildung noch nicht abgeschlossen und bilden im Laufe des Sommers einen neuen Blütenstand, der oft erst im Spätsommer reift. Hierzu müssen wir ihnen ausreichend Zeit lassen, so dass der zweite Schnitt nicht vor Anfang bis Mitte September liegen sollte. Die Samen dieser späten Blüten reichen aus, um die Arten der Wiese zu erhalten, da es sich um ausdauernde Gräser- und Staudengesellschaften handelt, die sich nicht jedes Jahr erneut aus Samen entwickeln müssen.