10.07.2015

Offizielle Einweihung der neuen Lagerhalle


Die Rieger-Hofmann GmbH feiert mit viel Prominenz, Anbaupartnern und Kunden.

Artikel 1 als pdf / Artikel 2 als pdf

 

Zur Einweihung der neuen Lagerhalle beglückwünschen Ernst Rieger (v.l.n.r.) Dr. Wolfgang Reimer (Ministerialdirektor MLR), Haralb Ebner (MdB),  Gerhard Bauer (Landrat Kreis Schwäbisch Hall), Petra Weber (Bürgermeisterin Blaufelden),  Catherine Kern (Landttagskandidatin Bündnis 90 / Die Grünen).

Rede zur Halleneinweihung von M.Wieden, Verband
deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebes Rieger-Hofmann-Team,
es ist eine große Ehre für mich, an dieser Stelle ein paar Worte an Sie richten zu können. Dafür herzlichen Dank.
Die Frage, die ich mir sogleich stellte: Warum feiern wir die Einweihung einer landwirtschaftlichen Halle? Ist der Aufwand nicht etwas übertrieben?  Nun, dass Sie alle nicht die Mühe gescheut haben, hier so zahlreich zu erscheinen, zeigt, dass auch Sie der  Einladung einen besonderen Wert beimessen.
Lassen Sie mich kurz versuchen, meine eigene Erklärung für die Besonderheit dieses Anlasses zu  schildern. Als Birgit und Ernst Rieger und Barbara und Rainer Hofmann vor vielen Jahren fast heimlich mit Papiersäcken und ein paar Sieben begannen, in ihren Scheunen und Ställen einen neuen Betriebszweig  aufzubauen, war auf den Höfen äußerlich noch nichts verändert. Aber auf den Feldern leuchten gelbe, rote oder violette Streifen als Alarmsignale für die Nachbarn. Was ging hier vor sich? Offensichtlich war hier der Weg normaler Landwirtschaft verlassen worden und je nach Weltanschauung zeigte sich Verwunderung und Staunen aber auch Spott und Verärgerung über vermeintlich neues Unkraut in der Gemarkung.
Immerhin, es waren Blumen, und darunter auffallend hübsche. Aber waren Raps und Sonnenblumen nicht auch Blumen? Auch sie leuchteten in schönen Farben, hatten Besuche von Bienen und Hummeln und, was ja das Wichtigste war ----- einen landwirtschaftlichen Nutzen.
Was konnten da diese neuen Kräuter auf dem Acker bieten? Nun, mit einem Wort: Nichts. Man wollte sie weder schroten und essen, noch pressen und entölen oder zu sonst einem Zwecke verarbeiten.
Nein, sie waren einzig und allein um ihrer selbst willen da. Teile der unübersehbaren Vielfalt der Natur, die hier planvoll herausgegriffen und gestärkt wurden. Und was Raps und anderen Kulturpflanzen fehlte, war hier im Überfluss zu haben, das unverfälschte Angebot der Schöpfung in zahllosen geographischen und standörtlichen Variationen.
Mit zunehmender Anbaufläche  wurde bei Rieger-Hofmanns ein Teil dieser Fülle sichtbar. Hunderte verschiedener Arten wuchsen auf den Äckern. Und mit ihnen wuchs ein Netzwerk aus Anbauern, Biologen und Unterstützern, die sich ebenfalls der Idee der regionalen Saatgutproduktion verschrieben hatten. Es entstand eine ganze Strömung, die von zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten an verschiedenen Hochschulen begleitet wurde, die immer mehr Aufmerksamkeit bei Behörden und Medien erlangte und die heute schon als Zeitgeist eines neuen Weges im Naturschutz bezeichnet werden muss. Auch der VWW, der Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V., für den ich heute hier sprechen darf, wurde vor 10 Jahren aus dieser Strömung heraus gegründet. Wir kämpfen in Politik und Verwaltung vor allem für eine Sicherung des Wildpflanzenmarktes gegen Einschleusung von falsch deklarierten Herkünften. Viele unserer Mitglieder liefern ihr Saatgut hierher nach Raboldshausen, einige betreiben eigene Netzwerke und tragen auch von dort die Idee weiter. 
Das alles konnte nur so geschehen, weil die beiden Familien, Rieger und Hofmann, nicht nur mit landwirtschaftlichem und unternehmerischem Geschick sondern auch mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen dieses Netzwerk knüpften und mit noch mehr Überzeugung für eine unverzichtbare gesellschaftliche Aufgabe eintraten.
Ja, ich weiß schon, was Sie einwenden wollen: Natürlich war das kein Ehrenamt und beide Familien mussten vom Saatgutverkauf leben. Hier möchte  ich ausnahmsweise mal ein neumodisches Wort aus dem Wortschatz der Banker verwenden, es entstand eine winwin-Situation für alle Seiten: Die Natur profitiert von neuen artenreichen Lebensräumen, dazu inzwischen 100e Personen, die mit Wildpflanzensaatgut ganz oder teilweise ihren Lebensunterhalt verdienen. Behörden und Planungsträger bekamen ein praktisch überall einsetzbares Ausgleichsinstrument an die Hand und selbst Politiker, die sich für den neuen Markt einsetzen, können damit Fortschrittspunkte für sich verbuchen. Einzige Ausnahme, die Saatzuchtindustrie: Sie versucht den neuen Markt zu behindern und verliert, wenn auch nur kleinste Mengen ihres bisherigen Absatzes an uns.
Damit sind wir wieder bei der Frage, was diese Halle von anderen unterscheidet?
Die Antwort ist jetzt einfach: Sie ist ein Meilenstein in einer bundesweiten Entwicklung. Sie ist der physische Hauptumschlagplatz für ein nach 22 Regionen gegliedertes Verteilernetz. Naturschutz mit gebietseigenen Arten ist mit der hier geschaffenen Infrastruktur nicht nur denkbar sondern inzwischen professionelles Tagesgeschehen mit Dienstleistung und Warenhandel.
Die Halle ist aber auch das symbolische Herzstück eines gesellschaftspolitischen Wandels, der geschlagene Wunden in der Landschaft nicht mehr als Tribut für wirtschaftlichen Fortschritt betrachtet und hilflos mit Regelsaatgutmischungen überdeckt, sondern erstmals die regionale Wiederherstellung ganzer Pflanzengesellschaften in den Vordergrund stellt.
Auf noch höherer Ebene ist diese Halle der Ausdruck eines neuen Denkens. Nachdem wir gelernt haben, Boden, Wasser und Lebewesen auszubeuten, fangen wir langsam an, an einigen Punkten das Übermaß wieder zurückzuschrauben und uns auf weniger zu besinnen.  Einzelnen Pionieren unter uns war es zu wenig, dies abzuwarten, sie wollten dem Zerstören auch ein Wiederherstellen entgegensetzen.
Hierzu wünsche ich der Rieger-Hofmann GmbH weiterhin die nötige Kraft und den gebührenden Erfolg.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.